Wappen

Das 1873 als selbstständige Gemeinde aufgelöste und mit der Gemeinde Ladelund vereinigte »Bramstedt« wurde mit dem Jahr 1954 wieder eine eigenständige Gemeinde mit dem Namen »Bramstedtlund«. Aus diesem Anlass gab sich die Gemeinde erstmals auch ein Wappen, das 1958 in die Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holsteins [1] aufgenommen wurde.
Das Wappen ist quergeteilt und zeigt oben einen rauchenden Kohlemeiler auf blauem Grund. Die Holzscheite sind – historisch unzutreffend – lediglich aus heraldischen Gründen gewählt, da es kein gängiges Symbol für die spezielle Köhlerei von Torf gibt. Dieser Kohlenmeiler soll an die über lange Zeit in der Gemeinde betriebene Torfköhlerei erinnern, wobei insbesondere die aus Torf hergestellte Schmiedekohle auch außerhalb der Gemeinde sehr begehrt – und somit das erste wesentliche Exportgut der Gemeinde - war.
Im unteren Feld des Wappens versinnbildlichen 12 Schrägbalken (linksschräg), abwechselnd Blau und Silber, die 12 Urhufen Bramstedts. Die goldenen Pflugeisen – man könnte sie auch als Torfspaten deuten – symbolisieren die drei Nachbarhöfe der etwas nordwestlich von Bramstedt gelegenen kleinen Ortschaft Bramstedtlund. Da diese 1954 namensgebend für die Gesamtgemeinde war, liegen die drei Pflugeisen über den zwölf Schrägbalken.
Seit etwa 1625 bestand Bramstedt aus 12 Höfen. Vier dieser Höfe existieren nicht mehr. Die baulichen Nachfolger von weiteren 8 Höfen aber sind noch vorhanden. Auch während des ersten Versuchs der Landaufteilung 1774/1776 wurde die Größe des Dorfes mit 12 Hufen angegeben. Diese Landaufteilung, auch Verkoppelung genannt, sollte die bislang gemeinsam bewirtschafteten Flächen aufteilen und den einzelnen Höfen zuordnen. Bei der tatsächlichen Landaufteilung1806/07 wird die Größe des Dorfes zu 12 Staven (DÖRFER 1816, LESSER 1853) angegeben. In der Region Nordfriesland und teilweise auf der Geest beruhte auf dem „staven“ das Nutzungsrecht an allen Gerechtsamen (die in einem Recht oder Gesetz begründete Befugnis, ADELUNG 1793) der Dorfgemeinschaft. Wer kein Recht an der Feldgemeinschaft hatte, der hatte auch kein Stimmrecht in der Dorfversammlung (Stimmrecht hatte nur der Hofinhaber selber).
Anmerkungen
[1] Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holsteins
Der Entwurf stammt von W H Lippert (1898-1981, dt. Maler und Bildhauer), der Rathenow
stammte und nach dem Kriege in Brunbüttel lebte.
[2] Genauere Beschreibung in der Dorfchronik von Bramstedtlund, DAVIDSEN (1987)
[3[ Hufe nennt man die bäuerliche Hofstelle mit dem Acker und der Berechtigung in der Allmende (Gemeinschaftsländereien) und Mark. Ausreichend für die bäuerliche Lebenshaltung einer Familie. Der Inhaber der Hufe war ein Vollbauer. (Brockhaus Enzyclopädie 1969). Nach MENSING 1927 ) entspricht die Hufe einem Bohl. Ähnlich „staven“.
[4] Staven kommt aus dem Dänischen (Boden, Grundlage, auf der etwas steht) und bezeichnet ein bäuerliches Grundstück mit Haus, Nebengebäuden und unmittelbar dazu gehörigem Land (wie Gartenland), ursprünglich unteilbar und unveräußerlicher Stammsitz wie Gehöft oder Hofstelle. (MENSING 1925).
Literatur
ADELUNG (1793)
Johann Christoph Adelung: Grammatisch-kritisches Wörterbuch der hochdeutschen Mundart. (2. Aufl. Leipzig 1793-1801, 4 Bde., Supplementband 1818)
DAVIDSEN (1987)
Hans Chr. Davidsen und Klaus Arweiler: Bramstedtlund. Geschichte und Geschichten aus einer Schleswigschen Geestgemeinde. (Chronik der Gemeinde Bramstedtlund). Im Selbstverlag.
1. Teil 1981, 2. Teil 1987 3. Teil 1988.
4. verbesserte, leicht veränderte Auflage 2013
DÖRFER (1816)
Joh. Friedr. Aug. DÖRFER: Topographie des Herzogthums Schleswig in alphabethischer Ordnung. Zweite vermehrte Auflage, Schleswig 1816
LESSER (1853)
Wilhelm Lesser: Topographie des Herzogtums Schleswig, Kiel 1853. Verlag Carl Schröder.
MENSING (1925)
Otto Mensing: Schleswig-Holsteinisches Wörterbuch. 5 Bände,1925 – 1935
Schmiedekohle
Bramstedt war früher geradezu berühmt für seine aus Torf gewonnenen Schmiedekohlen.
Bramstedt hatte große Moorflächen, die heute fast vollständig abgegraben sind. Das Moor enthielt allerdings sehr unterschiedliche Qualitäten von Torf. Oft musste zunächst auch eine 1 bis 1 ½ Meter mächtige Schicht von Flugsand abgeräumt werden, bevor man an das Moor heran kam. Dann fand man z. B. festes Moor, das sich gut abgraben ließ und dabei auch nicht auseinander fiel. Man stach es zu sogenannten »Flachen«. Diese hatten beim Trocknen nur wenig Schwund, waren aber nur von mittlerem Heizwert.
An anderer Stelle fand man Moor, das zum Graben wie auch zum Streichen genutzt werden konnte und einen guten Heizwert hatte. Es war manchmal leichter und verhältnismäßig gut zu bearbeiten, manchmal schwerer, aber nie zu fett.
Eine weiter Moorsorte fand sich im Norden der Gemeinde beiderseits des jetzigen Osterstraße. Hier grub man erst die obere braune Schicht ab, die gute Flachen (Leichttorf) lieferte. Darunter saß aber eine so fette Schicht, dass das Moor nur zum Streichen geeignet war. Es klebte so sehr am Gerät und in der Form, was die Torfgewinnung zu einer harten Arbeit machte.
Oft klebte das Moor in der Form so hartnäckig, dass es öfter mit Wasser aus der Form gespritzt werden musste. Dieser Torf schrumpfte beim Trocknen auf etwa die Hälfte. Auch fiel er leicht auseinander, vor allem, wenn es während der Trocknungszeit regnete.
Aber gerade dieser fette Torf eignete sich für die Fertigung von Schmiedekohlen am besten. Auch war der gestrichene Torf aus diesem Material von ausgezeichneter Heizkraft, wenn er heil und trocken unter Dach kam.
Für das Köhlern von Schmiedekohle war nämlich das schwerste und fetteste Moor gerade gut genug. Man nahm nur die unteren etwa 30 cm des Moores für das Kohle brennen. Eine gute Trockenzeit von einer Woche war Bedingung. Es durfte in den Tagen nicht regnen. Geschah dies, war bereits die Qualität in Frage gestellt. Auf einer möglichst erhöhten sandigen Stelle am Rande der Moorfläche wurde dann der trockene Torf hingefahren.
Man machte zunächst ein Feuer an und schüttete darauf, wenn es angebrannt war, einen Korb voll Torf. War dieser schon etwas durchgeglüht, dann wurde mehr Torf zugetan, bis endlich in so einem brennenden Haufen ungefähr ein Fuder Torf war. Während nun der Torf völlig durchbrannte – und damit verging eine lange Zeit – grub man in der Umgebung flache Soden ab, die zur gegebenen Zeit dann bereitlagen um den Meiler abzudecken. Manchmal musste man die Soden erst heranfahren, weil die Umgebung des Meilerplatzes schon längst ausgenutzt war. Oft ging es schon auf die Nacht zu, bevor man den in voller Glut befindlichen Meiler mit den Soden abdecken konnte und gleich anschließend dann Sand darüber schaufelte. Es war wichtig, dass nirgends noch Luft zu der Glut treten konnte. In den nächsten Tagen wurde mehrmals täglich kontrolliert, ob die Sandschicht keine Öffnung hatte. Nach drei Wochen war dann meistens die Glut ganz erloschen und nach Abräumung der Erde und des Sandes waren die Schmiedekohlen gebrauchsfertig.
Das Gewinnen von Torf und das Herstellen von Torfkohle wirkte bei den Menschen, die diese Zeit und diese schwere Arbeit selber erlebt haben, lange nach. Als Hans Chr. Davidsen (sen.) im Juni 1989, an seinem 90ten Geburtstag, die Ehrenbürgerrechte seiner Heimatgemeinde Bramstedtlund verliehen wurden, schrieb er in seinem Dankschreiben: „Besondere Freude hat mir das Wappengeschenk bereitet. Bei der Betrachtung wandern meine Gedanken eine lange Lebenszeit zurück. Unsere Ahnen haben körperlich schwer arbeiten müssen. Ich denke nebenher an Torf und Torfkohlen.“
In Anlehnung an die Chronik von Bramstedtlund (DAVIDSEN 1987)
Alle Fotos © Kirchspielarchiv Ladelund
DAVIDSEN (1987)
Hans Chr. Davidsen und Klaus Arweiler: Bramstedtlund, Geschichte und Geschichten aus einer Schleswigschen Geestgemeinde.
1. Teil 1981.
2. Teil 1987.
3. Teil 1988 im Selbstverlag.
4. verbesserte, leicht veränderte Auflage 2013
Torfgewinnung
Hans Christian Davidsen (1899–1995) berichtet
Mein Großvater, der 1864 auf die Heide umzog, hatte ein großes Stück Heideland auf lange Zeit gepachtet und gleichzeitig das Recht zum Torf machen erworben. Er selbst konnte infolge seines Alters nicht hart arbeiten. Die Familie aber musste ihren Lebensunterhalt haben. Es gab eben keine andere Möglichkeit, als fremde Kräfte heranzuholen. In Renz fanden sich mehrere Arbeiter, die gerne den Sommer über ins Moor gingen.
Wenn Anfang April die Sonne Feld und Moor etwas trocknete, dann fing auch schon die Moorarbeit mit dem Flachen stechen an. Diese obere Schicht Moor war beliebt zum Feuer machen und Feuerhalten und wurde viel gebraucht. Ein Fuder kostete damals etwa 4,- Mark Das waren ungefähr 800 - 900 Stück. Ein Mann, der dieses Stechen gewohnt war, konnte an einem Tag fast 5000 Stück machen.
Unser Moor auf Bramstedtfeld war nicht grabfähig, weil das Material auseinanderfiel. Der Torf musste also gestrichen werden. Ein Torfstreicher brauchte folgendes Werkzeug: 1 Spaten, 1 Schaufel, 1 Holzschaufel mit einer Platte 30 x 40 cm, 52 Bretter mit einer Breite von ca. 15 cm und einer Länge von 3,50 m, dann noch eine Karre mit einer Plattform von ca. 70 cm x 1,20 m und eine dazu passende Form für 36 Torfstücke. Die Arbeit mit diesen Geräten ging wie folgt vor sich:
40 Bretter wurden nebeneinander auf den Moorboden hingelegt, nachdem man die Unterlage sorgfältig geebnet hatte. Kein Brett durfte eine Hohlstelle im Untergrund haben, weil dann später das Gewicht der Tiere dieses Brett zerbrach. So hatte man nun eine Fläche von 6 x 3,50 m mit Brettern belegt.
Rundherum um diese Fläche wurden Pfähle von etwa 1 Meter Länge in das Moor getrieben, mindestens 16 an der Zahl in regelmäßigen Abständen. Die übrigen 12 Bretter wurden je 2 zusammengenagelt und dienten, an der Innenseite der Pfähle aufgesetzt, als Abgrenzung.
So war ein Kasten gebildet, der nun das Moor aufnahm. Die durchschnittliche Tiefe der Moorschicht betrug 75 cm. Mit einem Spaten grub man das Moor heraus und warf die Klumpen in diesen Kasten. Dabei war sehr hinderlich, dass das Moor nicht zusammenhielt, sondern sich sehr oft auf dem Spaten spaltete, genau dann, wenn man gerade werfen sollte. Ein Mann brauchte oft zum Füllen des Kastens, von uns „Trai“ [1] genannt 2-3 Stunden.
Hinzu kam das Problem mit dem Wasser. Es wurden für jeden Kasten dieser Größe, der ungefähr 6 Tausend Torf (2 Fuder) beinhaltete, 350 Eimer Wasser gebraucht. Um diesen Bedarf, der ja täglich fast 1000 Eimer betrug, zu decken, wurden in dem harten Boden Löcher von etwa 4 x 4 Meter gegraben. So eine Kuhle musste 3 Meter tief sein, um genügend Wasser liefern zu können. Dann rutschten die Seitenwände fortwährend ab und deckten die Quelle zu, sodass man immer wieder den Sand herausholen musste.
Bevor nun das Wasser seinem wirklichen Zweck zugeführt werden konnte, musste es zunächst mit einem Eimer aus der Kuhle geholt und in eine Rinne gegossen werden, wobei natürlich ein enormer Prozentsatz im Boden versickerte, bevor es an die Stelle kam, wo es gebraucht wurde. Hier am Ende der Rinne und unmittelbar vor dem „Trai“ musste wieder ein Loch gegraben werden und dabei der harte Untergrund durchbrochen sein, bevor man hier wieder den Eimer füllen konnte um endlich das Wasser auf das aufgeworfene Moor im „Trai“ zu werfen.
| traj, trai oder tråd, mundartlich dänisch = treten. Die Schreibweise ist sehr unterschiedlich, da die hier gesprochene Mudart niemals schriftlich fixiert wurde. So hing es von der genauen Aussprache ab, wie ein Ausdruck schriftlich wiedergegeben wurde. Viele Ausdrucksweisen, selbst in nahe gelegenen Ortschaften wie Renz (Rens) und Bramstedt, sind sehr unterschiedlich. Das schildert z.B. Detlef Hansen (1888-1958) in „Ein Dorf an der Grenze“ in der Chronik von Bramstedtlund (DAVIDSEN 1987). |
Nun traten die Kühe in Tätigkeit, die aus dem Moor und dem Wasser einen Brei kneteten, der nach dreistündiger Arbeit dann „streichfertig“ war. Wenn man nun drei Torfstreicher in Arbeit halten wollte, mussten die Tiere ständig im Einsatz sein. Das wären nahezu 9 Stunden pro Tag gewesen. Das war für eine Kuh unmöglich, zumal sie nebenbei auch noch Milch spenden sollte.
Aber auch da wusste man sich zu helfen. Zum Hüten waren aus dem Dorf jeden Sommer eine Anzahl Ochsen aufs Norderfeld gegeben und den Kindern der Familie anvertraut. Die wurden notfalls mit zum Torf kneten herangezogen. Es ist kein Vergnügen gewesen, die Tiere anzulernen. Es kam vor, dass ein träger Ochse sich einfach fallen ließ und kaum zu bewegen war, aus dem Morast wieder aufzustehen.
In meiner Kindheit haben wir mit einem Pferd die Arbeit, gemacht. Dazu wurde dann eine zweirädrige Karre oder ein halber Wagen hinterher gespannt, dessen Räder immer ganz an die Seitenbretter gingen und so den Knetvorgang etwas beschleunigten.
Die Bearbeitung mit dem Vieh war nach dem Urteil der alten Torfstreicher aber die beste. Grund dafür waren die Doppelhufe, die das Moor besser zerquetschten. Die Person aber, die die Ochsen halten musste, wollte bestimmt lieber mit einem Pferd kneten.
Die Ochsen konnten plötzlich zur Seite taumeln und den Mann umwerfen, während das Pferd mit einem kleinen Stock leicht vom Körper gehalten werden konnte. Meine Mutter hat viele Jahre hindurch diese Arbeit mit dem Pferd gemacht, in Hosen und langgestiefelt, bis wir Kinder sie dann ablösen konnten. Ich habe dann immer geritten und oft im April tüchtig dabei gefroren, besonders wenn man einen Spritzer des kalten Wassers abbekommen hatte.
Nach der Beendigung dieser Arbeit wurden die Beine des Pferdes, bzw. der Rinder abgewaschen und nun begann für den Torfstreicher das Auskarren des Moores. Nehmen wir die gebräuchlichste Karre mit der großen Form von 36 Torf. Mit der Holzschaufel wird Moor in die auf der Karre liegenden Form gefüllt, hineingepresst und glatt gestrichen. Von dieser Tätigkeit stammt die Bezeichnung: „Streichen“.
Dann karrte man den Torf in der Form zum Schlagplatz. Vorausgehen musste natürlich eine Ausgleichung des Bodens, sodass der Torf möglichst eben lag. Man war bestrebt, in einer „Reihe“ immer ca. 1000 Torf abzuschlagen. Das waren 28 Karren, und so musste man schon fast 40 m mit der schweren Karre traben.
Ein guter und fleißiger Torfstreicher konnte in einer Stunde 1000 Torf auskarren. Aber auf unserem Moor war dies kaum möglich, weil man bei jeder zweiten oder mindestens jeder dritten Karre die Form ausschlagen musste, d.h. man hob sie hoch und ließ sie hart auf die Karre fallen, sodass die Reste an Moor sich etwas lösten.
Dann hatte man den Wassereimer mit einem Heidebusch und spritzte die ganze Form gut mit Wasser aus. Dabei gingen immer ein paar Minuten verloren. Aber ohne diese Spritzerei ging es einfach nicht; das Moor ging zuletzt gar nicht mehr aus der Form heraus.
Zum Abstreichen der gefüllten Form von der Karre gehörte ein wenig Handfertigkeit. Man kippte die Karre mit der Form auf die Seite, hob dann die Karre senkrecht nach oben, wobei die Form einen Augenblick mit ihrem ganzen Inhalt stehen blieb und darin umkippte. Dabei durfte ja kein Moor aus der Form laufen. Es war also notwendig, dass nicht zu viel Wasser beigemischt worden war.
War die Mischung wiederum zu steif, dann bekam man es wieder nicht aus der Form. Man hob nämlich dann die Form auf, wobei der Torf liegen blieb, und mit einem gewissen Schwung hob und drehte man die entleerte Form so, dass sie wagerecht auf die Platte zu liegen kam. Und dann ging das Füllen erneut vor sich.
Blicken wir kurz zurück auf das Tagwerk eines Torfstreichers. Um 4 – ½ 5 Uhr morgens war er schon auf dem Weg zum Moor. Die erste Arbeit war das Herausziehen der Pfähle. Die Bretter und also auch die Leitpfähle mussten nämlich immer wieder neu verlegt werden, sobald ein Kasten ein- bis zweimal Ausgestrichen war.
Manchmal hielt das Moor durch den Sog die Dinger so fest, dass man ein Tau nahm und den Pfahl in eine Schlinge nahm. Wenn etwas seitwärts gezogen wurde, dann gelang es. Der neue Platz für das Auslegen der Bodenbretter musste geebnet werden, die schon vom Wasser schwer gewordenen Bretter mussten gehoben, hingetragen und gelegt werden usw. Alles wiederholte sich. Die Pfähle wurden wieder mit einer großen Holzkeule eingeschlagen.
Etwa um 7 Uhr wurde wieder mit dem Mooreinwerfen in den Kasten begonnen, so dass dann um 9 bis ½ 10 Uhr das Kneten losgehen konnte. Um 12 bis ½ 1 war dieses geschehen. Dann war in der heißen Mittagszeit etwas Ruhe. Das Auskarren nahm dann den Nachmittag in Anspruch und es wurde doch oft sehr spät, bis Feierabend war.
So ging es Tag für Tag von Ende April bis in den September, und der letzte Torf wurde oft gar nicht mehr recht trocken. Die Bearbeitung des Torfes mussten die Familienangehörigen machen. Wir Kinder mussten den Torf umkehren. Dabei mussten wir jeden einzelnen Torf anheben und auf die Seite legen. Nach Tagen wurde dann der fast trockene Torf in „Ringeln“ gesetzt. Das war die Arbeit Mutters und der größeren Kinder.
Von 3 Torf wurde ein Dreieck gebildet und so immer 6 mal 3 aufeinander geschichtet und zuletzt 2 obenauf. Das ergab die Zahl 20, also 50 Ringeln sind 1000 Torf und 150 Ringeln sind ein gewöhnliches Fuder. Diese Ringeln standen schön in Doppelreihe und wenn die zahlreichen Torfwagen anrollten, von Neupepersmark durch den staubenden Sand, dann wurden schon die Ringeln abgezählt, damit keine Zeit verloren ging.
Anmerkungen
[1] traj, trai oder tråd, mundartlich dänisch = treten. Die Schreibweise ist sehr unterschiedlich, da die hier gesprochene Mudart niemals schriftlich fixiert wurde. So hing es von der genauen Aussprache ab, wie ein Ausdruck schriftlich wiedergegeben wurde. Viele Ausdrucksweisen, selbst in nahe gelegenen Ortschaften wie Renz (Rens) und Bramstedt, sind sehr unterschiedlich. Das schildert z.B. Detlef Hansen (1888-1958) in „Ein Dorf an der Grenze“ in der Chronik von Bramstedtlund (DAVIDSEN 1987).
Auszug aus der Chronik von Bramstedtlund (DAVIDSEN 1987)
Alle Fotos © Kirchspielarchiv Ladelund
DAVIDSEN (1987)
Hans Chr. Davidsen und Klaus Arweiler: Bramstedtlund, Geschichte und Geschichten aus einer Schleswigschen Geestgemeinde.
1. Teil 1981.
2. Teil 1987.
3. Teil 1988. Im Selbstverlag.
4. leicht veränderte Auflage 2013
Herkunft des Namens
Der Name der Gemeinde ist heute Bramstedtlund. Historisch richtiger wäre es gewesen, die Gemeinde mit dem Namen Bramstedt zu benennen. Man wählte jedoch seinerzeit für die Gesamtgemeinde den Namen Bramstedtlund, um Verwechselungen von Bramstedt z.B. mit Bad Bramstedt auszuschließen.
Die ursprüngliche Siedlung war das um eine Forta [1] gegründete Dorf Bramstedt. Später erst wurden dann etwas nordwestlich von Bramstedt – erst ein, später zwei weitere – Höfe angelegt, die Bramstedtlund genannt wurden. Dieser Name wurde also 1954 für die Benennung der Gemeinde gewählt.
Der Name ist dreiteilig. Zwei Teile sind leicht zu deuten, denn lund ist das dänische Wort für einen kleinen Wald, ein Gehölz und sted ist die Bezeichnung für Stätte, Wohnstätte oder eben Siedlungsplatz (das gleiche Wort findet sich im Dänischen – sted - und Niederdeutschen - stedt).
Der dritte Teil Bram ist nicht ganz so eindeutig. Bram oder Braam, Braem oder Brahm ist ein früher in ganz Nordwestdeutschland gebräuchliches Wort für den Ginster (eigentlich Dorngestrüpp). In diesem Siedlungsraum ist er häufig Bestandteil von Ortsnamen, vor allem in Niedersachsen. Bramstedt (bei Diepholz), Brambauer (bei Lünen), Bramey (Ortsteil von Bönen, Kreis Unna), Bramsche (Landkreis Osnabrück), Brambostel (in der Lüneburger Heide), Bramfeld (Stadtteil von Hamburg), Bramel (früher Brameloh, Wesermünder Geest) und nicht zuletzt Bad Bramstedt in Schleswig-Holstein sind einige Beispiele. Selbst Namen, denen man es nicht sofort ansieht, rühren von „Bram“ her, wie z.B. Brandlecht (ein Stadtteil von Nordhorn), das sich von ursprünglich Bramtelghet (telge = Zweig) herleitet.
So liegt die Vermutung nahe, dass der Ginster (Bram) auch für Bramstedt und Bramstedtlund namensgebend war, zumal auch im Dänischen Bram (altdän. Braam oder Bråhm) ein Wort für Dorngestrüpp ist und dieser Name sogar in England mehrfach vertreten ist.
In der Tat war der Ginster im nordwestlichen Deutschland oftmals landschaftsprägend. So ist das häufige Vorkommen des Namenteils Bram durchaus erklärlich.
Dennoch gibt es Zweifel an dieser Deutung für Bramstedtlund. Denn während es für andere Orte sehr gute Belege für einen reichlichen Bewuchs mit Ginster gibt, fehlen solche Hinweise für unsere Region völlig. Von Bad Bramstedt weiß man, dass der Ginster hier verbreitet vorkam. So wird z.B. berichtet, dass der erste Freimüller Bramstedts (N. F. Paustian) allein 10 Tonnen (etwa 5 Hektar) Ginsterland, besetzt mit Gesträuch [und zwar Ginster] von einem Zoll Dicke durch Feuerbrunst zur Urbarmachung vorbereitet hat [HARBECK 1959]. Auch für andere Orte ist der Ginsterbewuchs belegt bzw. heute noch vorhanden.
In unserer Region fehlen solche Belege. Es scheint hier gar keinen größeren Ginsterbewuchs gegeben zu haben. Im Gegenteil, selbst die Ältesten, die DAVIDSEN (1987) befragt hat, haben kaum nennenswerte Bestände von Ginster bemerkt. Derartige Pflanzen tauchten erst nach der Entwässerung auf. Und dann vor allem der Englische Ginster, nicht der mit Bram bezeichnete Besenginster. So findet man auch gegenwärtig weder in den Moorgebieten (Jardelunder Moor, Tinglev Mose) noch in den verbliebenen Sanddünenlandschaften (wie z.B. bei Süderlügum) Hinweise auf nennenswerte Bestände von Ginster.
Zur Klärung hilft die Siedlungsgeschichte, denn diese spielt für die Namensgebung eine entscheidende Rolle. Die Gründung der heute noch existierenden Siedlung Bramstedt fällt in die Zeit der Landnahme durch die Jüten bzw. Dänen. Folgt man Albert Panten (DAVIDSEN 1987), so begann die Anlage des Dorfes mit wenigen Höfen um eine Forta [1], die später durch weitere Höfe (wahrscheinlich aus Hofteilungen) erweitert wurden. Diese Kernzelle der Gemeinde Bramstedtlund ist auch heute noch gut sichtbar.
Somit steht wohl zu erwarten, dass eben jene Jüten die Namensgeber waren. Das ist bedeutsam für die Klärung der Herkunft des Namens.
Es gibt noch weitere Indizien, die die Ginster-These fraglich erscheinen lassen. Diese Region war offensichtlich viel durch Sumpf, Moor und Krüppelbäume und –sträucher (Kratt) bestimmt. Der Name der Region Karrharde [3] (Kær Herde = Krattharde zu dän. Kær = Buschwerk, Kratt, Bruch, Sumpf) deutet schon darauf hin.
Auch die Karte von Jordanus (1559) [4] legt ähnliches nahe. In dieser Karte ist diese Region mit „Risingmoor“ bezeichnet. Nach SCHÜTTE (1924) [5] ist damit „Risum Moor“ gemeint, eine Geestinsel, ringartig umbaut von den Dörfern Risum (im Süden), Lindholm (im Osten und Nordosten), Niebüll (im Norden) und Deezbüll (im Nordwesten). Die Bezeichnung „Moor“ weist darauf hin, dass diese Geestinsel, wie auch andere Regionen der Geest, sich durch viel Moor und Sumpf auszeichneten.
Nirgendwo findet man Hinweise für einen nennenswerten Ginsterbewuchs.
Im Gegenteil, diese Gegend ist zu dieser Zeit bewaldet gewesen. Jedenfalls spricht viel dafür. Nicht nur die einzelnen Funde von alten Eichenstämmen (auch hier in Bramstedtlund auf dem Norderfeld [2]) sprechen dafür. Es sind schon die Namen Ladelund und Bramstedtlund, die auf ein Gehölz hindeuten (Lade = Stapelplatz, Scheune, lund = Hain, Wald). Obwohl „lund“ nur einen kleinen Wald bezeichnen mag – im Gegensatz zu „skov“, was für ein größeres Waldgebiet steht – ist das wohl doch nicht zu wörtlich zu nehmen [6].
Es gibt noch weitere Indizien, die auf eine frühere Bewal-dung hindeuten.
Leck ist eine Gründung an der damaligen Flutgrenze der Nordsee, als Hafen- und Umschlagplatz. Die Marsch westlich war noch nicht eingedeicht, die Köge existierten noch nicht. Das Marschengebiet westlich bestand aus Halligen. Zum Schutze des Hafens wurde ein „Schloss“ angelegt (Leckhuus).
Es wird berichtet, dass der Hafen verschlickte und aufgegeben werden musste. Ursache war das Abholzen und die Rodungen im Quellgebiet (also gerade auch in der Gegend in und um Bramstedt. Ein deutlicher Hinweis auf die frühere Bewaldung in dieser Gegend.
Auch in Leck muss es große Waldbestände gegeben haben, wie man an den im Moor gefundenen großen Eichen und Buchen sehen kann.
Diese Hinweise decken sich mit dem von Johannes Meier im Danckwerth erwähnten Waldgebieten. In den Karten „bis in das Jahr 1240“ ist nämlich ein zusammenhängendes Waldgebiet eingezeichnet. Es findet sich dazu der Eintrag „Lauter Dannebaume“ und die Namensbezeichnungen „Bramslundt“ und „Bramstederholdt“ für Teile des Waldgebietes westlich und nordöstlich von Ladelund (Laylundt). Die Tatsache, dass diese Namen möglicherweise von Johannes Mejer willkürlich, in Anlehnung an den Ortsnamen Bramstedt, gewählt wurden [BJERRUM 1935], sie also keine direkte Überlieferung zur Grundlage haben, ändert an der Darstellung eines großen Waldgebietes nichts.
In Johannes von Schröders Topographie (SCHRÖDER 1854) steht zur Ortschaft Ladelund explizit: »Die Gegend ist in alten Zeiten sehr holzreich gewesen«.
In der „Topographie des Herzogtums Schleswig“ von 1906 (OLDEKOP 1906):, finden sich weitere Hinweise, die die Annahme eines größeren Waldgebietes rechtfertigen. Er schreibt:
»Die Waldungen, die früher in größerer Ausdehnung sich beim Dorfe befanden und demselben den Namen gegeben haben („Lund=Wald“) sind im 30jährigen Kriege und zwar wahrscheinlich im J. 1640 (eine Notiz im Kirchenbuch von Ladelund spricht dafür) niedergebrannt.«
Schließlich weist auch die „Chronik des Kirchspiels Süderlügum“ auf diese Bewaldung hin (BÖHL 1995).
RIIS (2009) weist darauf hin, dass im 11. und 12. Jahrhundert die Schleswiger Geest fast vollständig bewaldet und erst das 13. Jahrhundert die Zeit der Rodungen war. Diese Zeit war es auch, in der die Dörfer auf immer schwieriger nutzbare Böden verschoben wurden, was möglicherweise die Lage Bramstedts an der Nordseite des Bramstedter Berges erklären kann.
Das alles legt die zweite Deutung des Namens unserer Gemeinde nahe: Bram stammt von dem Personennamen „Bram“, „Brami“ oder „Bramis“.
LAUR (1992) setzt noch beide Deutungen gleichwertig nebeneinander (Bram vom Ginster, Dorngestrüpp und Bram von dem Personennamen).
Für diese These, dass Bram von einem Personennamen herrührt, spricht in erster Linie, dass es die Jüten waren, die nach der Entvölkerung dieser Region diese wieder besiedelt haben. Im Gegensatz zu den germanischen Stämmen, neigten die Jüten sehr viel mehr dazu, Siedlungsplätze nach Personen zu benennen. So wird beispielsweise das in einer Fußnote schon genannte dänische Bramdrup von PETERS (1975) auf den Personennamen „Bram“ zurückgeführt, wie auch ähnliche Namenszusammensetzungen im jütischen Raum (Bramdrup bei Kolding sowie Bramstrup bei Randers auf Fünen).
Letztlich vertreten auch BJERRUM (1935) und die wissenschaftlichen Betreuer des „Hjemstedt Oldtidspark“ [7] sowie CLAUSEN (1988) die Auffassung, dass der Personenname hier Pate gestanden hat. CLAUSEN (1980) bestätigt darüber hinaus anhand der hier vorkommenden Ortsnamen auch noch einmal, dass die Gegend früher offensichtlich bewaldet war.
Den Namen „Bram“ oder „Bramis“ findet man als männlichen Personennamen auf Runen, aber auch später in der Edda oder bei Saxo [8]. Für Bramstedt ist es vermutlich eben ein solcher Bram(is), auf den die Bezeichnung dieses Siedlungsplatzes zurückgeht bzw. zurückgehen könnte, zumal wenn die Namensgebung mit der jütischen Einwanderung (sie erreichte um 800 die Schlei) zusammenfällt [9].
Obwohl nur eine Indizien-Kette, denn ein echter historischen Beleg findet sich bisher nicht, ist es doch sehr wahrscheinlich, dass der Personenname „Bramis“ der Namensgeber von Bramstedt und damit Bramstedtlund war.
Anmerkungen
[1] Forta oder forte ist ein Rechtsbegriff aus dem alten Jütischen Recht (Jyske Lov 1241). Im Prinzip ist damit der zentrale Dorfplatz gemeint, der nicht bebaut werden durfte. Diese forte-Regelung ist schon relativ alt und in eisenzeitlichen Siedlungen Dänemarks öfter nachgewiesen. HOFF(2006)
[2] © Kirchspielarchiv Ladelund
[3] Die historische Karrharde ist größer als das so benannte frühere Amt
[4] Karte des Marcus Jordanus über die Herzogtümer Schleswig und Holstein aus dem Jahre 1559. Die älteste gedruckte Karte über die Herzogtümer.
[5] SCHÜTTE: »men derimod bliver Egnen „Risum Moor“ gentagende kaldt Risingmor« (aber dagegen bleibt die Gegend „Risum Moor“ des öfteren genannt „Risingmor“
[6] Was hätte beispielsweise die Namensgebung eines Hofes in Bramdrup (man beachte die Namenszusammensetzung) bei Hadersleben „Skovlundgaard“ wohl für eine Bedeutung?
[7] Museum des „Hjemstedt Oldtidspark“ nahe Skærbæk
[8] Saxo Grammaticus, Schreiber des Erzbischofs Absalon, Autor einer dänischen Geschichte (historica danica) bis in das Jahr 1187, deren schöne Sprache ihm den Beinamen „Grammatikus“ brachte.
[9] Nach dänischen Sprachforschern sind die zahlreichen Ortsnamen die u.a. mit –stedt enden, und deren erster Teil auf einen Personennamen zurückgeht, aus der späteren Römischen Eisenzeit und der Völkerwanderungszeit, da die verwendeten Namen (Brami(s) für Bramstedt oder Hemi(r) für Hjemstedt) danach ungebräuchlich wurden. Das könnte bedeuten, dass die Namensgebung Bramstedts schon aus der Völkerwanderungszeit herrührt und die Jüten dann diesen Namen übernommen haben (HARDT 2002). Aber das ist natürlich etwas spekulativ.
Literatur
BJERRUM (1935)
„Sydslesvigs Stednavne“ von Anders Bjerrum, Kristian Hald und Peter Jørgensen – Teil IV Kær Herred, Akademisk Forlag, København 1979
BÖHL (1995)
Johann von Böhl, Hans W. Rerup: Die Chronik des Kirchspiels Süderlügum
CLAUSEN (1980)
Otto Clausen: Orts- und Flurnamen als Zeugen ehemaligen Waldbestandes in unserer Heimat. Jahrbuch Schleswigsche Geest 1980. S. 192 ff.
CLAUSEN (1988)
Otto Clausen: Flurnamen Schleswig-Holsteins. 2. erw. Aufl. 1988, Verlag Heinrich Möller Söhne, Rendsburg.
DANCKWERTH (1652)
Die Landkarten von Johannes Mejer, Husum, aus der neuen Landesbeschreibung der zwei Herzogtümer Schleswig und Holstein von Caspar Danckwert D. 1652 – Verlag Otto Heinevetter, Hamburg-Bergedorf 1963
DAVIDSEN (1987)
Hans Chr. Davidsen und Klaus Arweiler: Bramstedtlund. Geschichte und Geschichten aus einer Schleswigschen Geestgemeinde. (Chronik der Gemeinde Bramstedtlund). Im Selbstverlag.
1. Teil 1981.
2. Teil 1987.
3. Teil 1988.
4. verbesserte, leicht veränderte Auflage 2013
GEBÜHR (2002)
Michael Gebühr in Jann Markus Witt und Heiko Vosgerau (Hrsg.), Schleswig-Holstein von den Ursprüngen bis zur Gegenwart - Eine Landesgeschichte, Hamburg, 2002, Convent-Verlag
HARBECK (1959)
Hans Hinrich Harbeck: Chronik von Bramstedt. Broschek Verlag Hamburg 1959
HARDT (2002)
Nis Hardt und Anker Thygesen: Ein Jahr in Hjemstedt. Leben in der Eisenzeit. Herausgegeben vom Hjemsteft Oldtidspark und Haderslev Museum, 2002
HOFF (2006)
Annette Hoff: Recht und Landschaft.
Ergänzungsbände zum Reallexikon der germanischen Altertumskunde. Herausgegeben von Heinrich Beck, Dieter Geuenich, Heiko Steuer. Band 54. Walter ge Gruyter, Berlin 2006
IBS (2004)
Jürgen IBS, Eckart DEGE, Henning UNVERHAU. Historischer Atlas Schleswig-Holstein. Vom Mittelalter bis 1867. Wachholtz, Neumünster 2004
LAUR (1992)
Wolfgang Laur: Historisches Ortsnamenlexikon von Schleswig-Holstein
2., völlig veränderte und erweiterte Auflage, Karl Wachholtz Verlag, Neumünster 1992.
Veröffentlichungen des Schleswig-Holsteinischen Landesarchivs Nr. 28. ISBN 3-529-02726-X
OLDEKOP (1906)
Henning Oldekop: Topographie des Herzogtums Schleswig, Kiel 1906, Verlag Lipsius & Tischer
PETERS (1975)
[Nordfriesland. Heimatbuch für die Kreise Husum und Südtondern. Im Auftrag des Vereins für Heimatkunde und Heimatliebe herausgegeben von Dr. L.C. Peters, Neudruck Kiel 1975 (Erstdruck 1929), Verlag Bernd Schramm]
RIIS (2009)
Thomas Riis: Wirtschafts- und Sozialgeschichte Schleswig-Holsteins. Leben und Arbeiten in Schleswig-Holstein vor 1800. Verlag Ludwig, Kiel 2009.
SCHÄFER (1968)
Gottfried Schäfer: Eisenzeitliche Siedlungsspuren bei Bramstedt Kreis Südtondern (Grabung 1966). Jahrbuch für die Schleswigsche Geest, 16. Jahrgang. 1968, S. 46 ff
SCHRÖDER (1854)
Johannes von Schröder: Topographie des Herzogthums Schleswig. Zweite, verbesserte Auflage, Oldenburg in Holstein, Fränckel (Leipzig, in Commission bei Gustav Brauns), 1954 im Neudruck 1984, Verlag Bernd Schramm, Kiel
SCHÜTTE (1924)
GUDMUND SCHÜTTE: Ingtypens Udvikling i geografiske Navne og Slægts-navne. Fortid og Nutid 1924-1925. Tidsskrift for Kulturhistorie og Lokalhistorie
Siedlungsgeschichte
Vor- und Frühgeschichte, sowie Siedlungsgeschichte von Bramstedt
Die Landschaft ist durch die letzte Eiszeit geprägt. Im Gebiet Schleswig-Holsteins kennen wir drei große Gletscher-Vorstöße. Die ersten beiden in der Elster-Kaltzeit (ca. 400.000 – 320.00 v. Chr.) und der Saale-Kaltzeit (300.000 – 130.000) überfuhren ganz Schleswig-Holstein. Die dritte und letzte Kaltzeit (Weichsel-Kaltzeit: 115.000 – ca. 10.000 v. Chr.) überdeckte jedoch nur den östlichen Teil Schleswig-Holsteins (RIIS 2009) [1].
Zwischen den Kaltzeiten traten Warmzeiten auf, die Holstein-Warmzeit (ca. 320.000 – 300.000) zwischen Elster- und Saale-Kaltzeit und die Eem-Warmzeit (130.000-115.000 v. Chr.) zwischen Saale- und Weichsel-Kaltzeit.
Die Forschung hat mittlerweile viele Einzelheiten der Kalt- und Warmzeiten ermittelt, so dass sich diese weiter untergliedern lassen. Erwähnt werden soll hier nur die Saale-Kaltzeit, für die sich verschiedene Phasen identifizieren lassen. Für die Vor- und Frühgeschichte ist die Untergliederung der Saale-Kaltzeit [2] in zwei große Kaltphasen, die man als das Drenthe-Stadium und das Warthe-Stadium benannt hat, von Bedeutung. Dazwischen liegt eine längere Phase des Eisrückzuges, ein Interstadial (ca. 230.000 – 195.000), das gelegentlich als Treene-Warmzeit bezeichnet wird, aber lediglich durch einen relativen Rückgang des Eises gekennzeichnet ist und mit den vorgenannten Warmzeiten (Interglazial) nicht zu vergleichen ist.
ÄLTERE STEINZEIT
Die Frage, wann nun der Mensch in diesem Landschaftsraum lebte und siedelte, ist nicht ganz einfach zu beantworten, denn die Gletscher und Schmelzwasserströme haben mögliche Hinterlassenschaften (Artefakte) umgelagert, so dass eine Datierung erschwert wird. So deuten Untersuchungen der wohl ältesten gefundenen Artefakte selbst auf eine Zeit vor 300.000 Jahren hin, Pollenanalysen und geologische Untersuchungen weisen eher auf das letzte Interglazial (Eem-Warmzeit) und die erste Phase des Weichselglazials (130.000 – 70.000) hin (HARTZ 1986).
Aus diesem Grunde kann man in der Regel nur die Zeit ermitteln, in der die letzte Umlagerung im Glazial stattfand. Das führt immerhin dazu, dass man ein Mindestalter der Artefakte angeben kann, indem es der vorausgegangenen oder einer älteren Warmzeit zugeordnet werden kann (RIIS 2009).
Die ältesten Funde von Steinwerkzeugen sind an Kliffs der Inseln gemacht worden (RUST 1956, MÖLLER 1974). Diese lassen sich der Heidelberger Kultur zuordnen. Der Homo Heidelbergensis lebte im Pleistozän (ca. 600.000 – 200.000 v. Chr.). Das Alter der Artefakte wird mit mindestens 250.000 Jahren angegeben.
Die bevorzugte Steinart war der Flint (oder Feuerstein). Der ist jedoch anscheinend erst mit dem Eis nach Schleswig-Holstein gekommen. RIIS 2009 schließt daraus, dass das Vorhandensein primitiver verarbeiteter Geräte aus anderen Steinarten eine Datierung in die erste zwischenglaziale Zeit vor 350.000 – 300.000 Jahren (Holstein-Warmzeit) bedeutet. Letzteres mag für die erwähnten Funde der Heidelberg-Kultur gelten, da das verwendete Material quarzitischer graubrauner Sandstein ist. Artefakte aus Flint rechnet man dagegen einem Interstadial (230.000 – 195.000) innerhalb des Saale-Glazials zu (RIIS 2009).
Erst die Funde nach der Weichsel-Kaltzeit lassen sich genauer datieren. Die Bearbeitung der Werkzeuge ist nun bereits fortgeschrittener. Zunächst finden sich Spuren einer Jägerkultur, die Zelte verwendeten, in denen man nur während der Jagdzeit lebte (Hamburger Kultur). Etwas später erst tauchen in der gleichen Gegend erste Wohnzelte auf, die auch im Winter benutzt werden konnten. Diese Gruppe zeichnet sich auch aus durch viel feinere Werkzeuge, z.B. feine Messeklingen (Rissener Gruppe). Das sind die ersten Hinweise in Schleswig-Holstein, dass Menschen auch im Winter hier lebten.
Ähnliches darf wohl für die letzte Gruppe des Paläolithikums (Altsteinzeit) gelten, die sich darüber hinaus durch die Verarbeitungstechnik von Geweihstangen weit fortgeschritten zeigte (Ahrensburger Kultur). Auch war die Palette an unterschiedlich zu verwendenden Werkzeugen nun deutlich größer.
MESOLITHIKUM
War das Klima bislang recht kühl, mit Mitteltemperaturen im Juli kaum über 10°C (wie heute in Nord-Island und Südwest-Grönland), so wurde um 7.500 v. Chr. das Klima jedoch erheblich milder. Das markiert den Beginn des Mesolithikums (Mittlere Steinzeit). Und aus dieser Zeit finden sich auch Spuren erster Wohnplätze.
Bei der Wahl der Wohnplätze war weniger die Jagd als der Fischfang ausschlaggebend. Überlieferungen fehlen aber, da sie durch den nacheiszeitlichen Meeresspiegelanstieg heute auf dem Meersgrund liegen [3]. Auch konnten erste Hüttenplätze und Gräber nachgewiesen werden (Pinnberg bei Ahrensburg). Die Wohnplätze lagen mit wenigen Ausnahmen abgesehen (z. B. bei Tingleff), alle östlich der Wasserscheide. Man findet erste Spuren von Keramik (Ertebølle-Ellebek-Kultur 5.400 – 4.000 v. Chr.) [4]. Diese Kultur scheint auf der ganzen jütischen Halbinsel sehr einheitlich. Die Wohnplätze liegen auch hier vornehmlich östlich der Wasserscheide, überwiegend in Abständen von 15-20 km entlang der jütischen Ostseeküste.
NEOLITHIKUM
Erste Ansätze von Ackerbau gibt es bereits in der Ertebølle-Ellerbek-Kultur, wohl bedingt dadurch, dass die Wohnplätze ganzjährig genutzt wurden. Mit dem Ackerbau beginnt das Neolithikum (Jüngere Steinzeit). Man hält jetzt auch Nutztiere, wobei eine Zunahme um 3.000 zu verzeichnen ist. Nach 3.000 bilden sich dann auch größere Wohnplätze heraus.
Etwa um 2.800 begann nun auch die Landnahme westlich der jütischen Wasserscheide, wobei der ärmere Boden als Viehweide diente. Man fand Hinweise auf Herstellung von Rad und Wagen. Aus dieser Zeit datiert auch die älteste Wegstrecke Dänemarks, die man unter einem bronzezeitlichen Hügelgrab nahe Vojens fand.
Abbildungen zahlreicher Artekakte finden sich bei HINZ (1954).
Einige Beispiele von steinzeitlichen Funden, meist aus der jüngeren Steinzeit:
Nun tauchen auch erste Metallwerkzeuge auf, die wahrscheinlich durch Handel Schleswig-Holstein erreichten. Damit beginnt der letzte Abschnitt der Steinzeit, das Spätneolithikum (Jungsteinzeit, 2.400 - 1.700). Die Siedlungen liegen meist an den Südhängen von Erhebungen. Es gibt Hinweise für den Gebrauch von Webstühlen. Eine zeittypische Keramik zeigt, dass die Milch der Haustiere verarbeitet wurde.
Die Skizze der Fundorte im Bereich der Gemeinde Bramstedtlund (nach HINZ 1954, ergänzt durch DAVIDSEN 1987)
Legende zur vorstehenden Karte
Jüngere Steinzeit
(nach HINZ 1954, ergänzt mit neueren Funden)
1 Ladelundfeld - Nordost : 3 Kratzerscheiben
2 Ladelundfeld - Nordost : Flintdolch
3 Trooskjär : mehrere Klingen u. Abschläge
4 Noern Martenslann : Flintbeil
5 Bögelhuusfeld - West :1 Klinge
6 Bögelhuusfeld - West : 2 große KIingen
7 Kolonistenland : 1 Abschlag
8 Bögelhuusfeld-Südwest : an 3 Stellen u.a. 1 Beil und Abschläge
9 Weesbyfeld -Nordwest : 1 Kratzer, 1 Mittelstichel, Klingen, Abschläge 10 Breengpol : 1 Flintbeil, 1Flintdolch
11 Bramstedtlund : 1 Klinge
12 Sünelyck : Klingen, 1 Beil
13 Ladelund - Königsacker : Abschläge
14 Kau : Flintmesser
15 Poppelann : 1 Felsaxt, 1 Pfeilspitze, 1 Klingengradkratzer, 1 Klingenkratzer
16 Sünelyck an Abro : 1 Felsaxt
17 Boverstedtfeld - Nord : 2 Klingen
Eisenzeit
E 1 Bramstedter Berg : Dorf mit Urnenfriedhof
E 2 Ladelund - Klint : Urnenfriedhof und Eisenverhüttung
E 3 Östehej : Urne , Bronzenadel
Die Flintgeräte behielten aber noch ihre große Bedeutung. Die Herstellung war meisterlich. Neue Waffentypen tauchen auf: Dolche, Pfeilspitzen, Speerspitzen. Deren Vorbilder waren wohl die erhandelten Gegenstände aus Metall.
BRONZEZEIT
Schließlich verbreitete sich die neue Metalltechnologie über den größten Teil Europas und leitete die Bronzezeit (1.700 – 500 v. Chr.) ein. Es bestand eine weitestgehende einheitliche Kultur in Zentraleuropa. Erst nach 1.600 entstand in Norddeutschland eine selbstständige Metallproduktion.
Aus dieser Zeit (1. Hälfte des 2. Jahrtausends) werden auch die ersten richtigen Dörfer mit Häusern in Dänemark nachgewiesen, mit einem Haustyp, wie er später noch bei den Wikingern üblich war.
Das Klima war in Perioden einige Grad wärmer als heute. In Bereichen Jütlands mit sandigem Boden wurde der Wald durch Beweidung an der Regeneration gehindert, wodurch erste Heideflächen in der Mitte Jütlands entstanden.
Die Bronzegegenstände waren von hoher Qualität. Zeugen dieser Zeit sind die Grabfunde des Mädchens von Egtved, des Mädchens von Skrydstrup und der Damen von Drage (Steinburg) und Alberdorf.
JÜNGERE BRONZEZEIT
In der jüngeren Bronzezeit (1000 – 500) finden sich Siedlungen, Wohnplätze und Gräber (Brandgräber) dicht beieinander.
In der letzten Phase der Bronzezeit (650/600 – 500) gab es bereits die erste Herstellung von Eisen. Die Eisenproduktion basierte auf dem hier vorhandenen Raseneisenerz. Die Siedlungen wurden in der Bronzezeit vornehmlich auf leichterem lehmigem Boden angelegt. Das waren vor allem die Altmoränen der Moräneninseln westlich der Wasserscheide (wie u.a. der Bramsteder Berg). Die Geest selber wurde vermieden.
Erst in den beiden vorchristlichen Jahrhunderten wurden auch die Jungmoränen mit ihren schwereren lehmigen Böden östlich der Wasserscheide stärker besiedelt. Um Christi Geburt wurde dann auch in der Marsch gesiedelt. Vorherrschende Siedlungsform war jedoch das Einzelgehöft oder die kleinere Häusergruppe. Erst mit der Eisenzeit (500 v. Chr. – 800 n. Chr.) setzte sich das eigentliche Dorf durch.
EISENZEIT
In der Vorrömischen Eisenzeit (500 – 0) gab es eine verbreitete Siedlungsaktivität mit Bildung von Siedlungsgebieten. Es wird angenommen, dass diese Siedlungsgebiete durch Ödstreifen voneinander getrennt waren. Anfangs konnte sogar die Holsteinische Geest Siedler anziehen. Aber es blieb letztlich bei der längslaufenden Dreierteilung beim Siedlungsmuster. Siedlungen gab es östlich der Wasserscheide und in den Marschen, während man die Geest möglichst vermied.
Wo in Jütland leichtere Böden besiedelt waren, wurden diese bereits gegen Ende der Vorrömischen Eisenzeit oder um 200 v. Chr. wieder verlassen.
In dieser Zeit blieben die Dörfer nicht immer an einem einmal gewählten Ort. Die Siedlungsforschung bezeichnet solche Dörfer als „Wanderdörfer“ (wie z.B. Grøntoft [6] und Sarup [7]). Sie wurden innerhalb desselben Siedlungsgebietes mehrfach verlegt und „bewegten“ sich langsam in eine Richtung.. Eine endgültige Festlegung der Dörfer fand erst seit 1.100 n. Chr. statt.
In der Römischen Eisenzeit (auch „Kaiserzeit“, 0 – 400 n. Chr.) findet sich eine verhältnismäßig dichte Siedlung im nördlichen Nordschleswig, und zwar im Osten, Westen und in der Mitte. Im Süden ist die Konzentration jedoch im Osten der Landes (z.B. Angeln). Gerade in der Mitte (der Geest) gibt es nur sehr wenige Funde. Etwas mehr Funde gibt es aus den Marschen und von den Inseln. Die Besiedlung der Marsch begann aber erst nach Christi Geburt.
Wenn es Siedlungen in der Mitte, vor allem in Holstein, gab, so mag das zusammenhängen mit der Eisenverhüttung im zentralen Bereich des Landes.
VÖLKERWANDERUNGSZEIT
Die Dänen eroberten um 500 n. Chr. das Siedlungsgebiet der Jüten, die – sofern sie nicht schon in der Völkerwanderungszeit mit den Angeln und Sachsen fortgezogen sind - im dänischen Volk aufgingen. Durch die Völkerwanderungszeit verarmte die Gegend an Menschen, der größte Teil der Menschen verließ das Gebiet des heutigen Schleswig-Holsteins. Am bekanntesten sind die Angeln und Sachsen, die um die Mitte des 5. Jahrhunderts nach England auswanderten. Dabei kam es vorübergehend wohl zu einer Verlagerung der Bevölkerung von den schweren Böden in die Geest (GEBÜHR 2002) [8]. Aus dieser Zeit stammen einige wenige Funde von Keramikscherben auf dem Bramstedter Berg. Dieser Fund scheint zeitlich auch deutlich isoliert zu sein, so dass der Befund vom Bramstedter Berg die Gesamtentwicklung der Region gut widerspiegelt. Wenn auch nicht überall die gesamte Bevölkerung fort ging, so verödete doch die einstmals dicht besiedelte Landschaft (IBS 2004).
JÜTISCHE NEUBESIEDLUNG
Die Zuwanderung durch Dänen konnte das zunächst bei weitem nicht ausgleichen. In dieser Zeit regenerierte sich auch der Wald und breitete sich wieder aus.
Bis zum Ende der Eisenzeit besiedelten die Jüten oder Dänen [9] von Norden her das Land und erreichten in der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts die Schlei. Nach 800 begannen dann die Friesen Inseln und Teile der Marsch von Süden her zu besiedeln. Im späten 8. und in den folgenden Jahrhunderten nahm dann die Siedlungsaktivität wieder zu (IBS 2004).
SIEDLUNGSGESCHICHTE VON BRAMSTEDT
Speziell für das Gebiet der Gemeinde Bramstedtlund und aus der näheren Umgebung sind allerlei Funde aus der mittleren und jüngeren Steinzeit bekannt, die bereits oben näher erwähnt wurden. Die meisten Funde wurden bei der Urbarmachung der großen Heideflächen gemacht. Dadurch ist in dieser Region menschliches Wirken schon aus der Steinzeit [10] belegt. Siedlungsspuren haben sich in der Gemeinde Bramstedtlund nicht gefunden. Wohl aber gibt es Siedlungsspuren aus der Steinzeit in den Nachbargemeinden. HINZ (1954) registrierte Hinweise für eine Siedlung nördlich von Ladelund am westlichen Ladelunder Berg und eine weitere in der Nordwestecke der Gemeinde Ladelund. Auch in Ellhöft, Leck, Knorrburg und Weesby finden sich solche Spuren, die auf Siedlungen in der mittleren Steinzeit hindeuten.
In der Gemeinde Bramstedtlund fand man die erste dauerhafte Siedlung – sie stammt aus der Eisenzeit [11] - auf dem Bramstedter Berg, unmittelbar südlich des Dorfkerns (s.u.). Schon 1950 wurde dort ein Urnenfriedhof im Bereich einer Kiesgrube gefunden. Dieser Friedhof wurde auf die ältereisenzeitliche „Jastorf“-Stufe datiert (ca 500–300 v.Chr.) [12].
Ein weiterer eisenzeitlicher Urnenfriedhof fand sich bei Klint, nur 1,5 km west-nordwestlich, direkt südlich der Straße nach Ladelund (HINZ 1954). Ferner gab es noch einen Einzelfund einer eisenzeitlichen Urne auf dem Land östlich der heutigen Westerstraße. Diese wurde von der Familie Jessen 1959 gefunden (DAVIDSEN 1987) [13].
Als die Bundeswehr beabsichtigte auf dem Bramstedter Berg ein Sanitätsdepot zu errichten, wurde im August 1966 am Ostrand der dort gelegenen alten Kiesgrube vom Landesamt für Früh- und Vorgeschichte unter Leitung von Gottfried Schäfer eine Probegrabung durchgeführt, um festzustellen, ob eine weitere Ausdehnung des Urnenfriedhofs vorlag. Man fand jedoch keine weiteren Urnengräber mehr.
Stattdessen stieß man auf Haus- und Siedlungsspuren, die zu einem größeren Siedlungskomplex zu gehören schienen. Diese Siedlungsspuren waren wenigstens zum Teil zeitgleich mit den Urnengräbern (SCHÄFER 1968).
Aufgrund dieses Anfangsbefundes wurde eine größer angelegte Grabung durchgeführt. In einen etwa 25 m breiten Streifen, beginnend wenig östlich der Bramstedter Berges (TP 27,4), nach Süden etwa 150 m, wurden weitere eisenzeitliche Siedlungsspuren freigelegt. Auch in den übrigen Abraumflächen des Baugeländes wurden zahlreiche Siedlungsspuren wie Herdstellen, Gruben und Pfostenverfärbungen beobachtet. Wegen des zügigen Aufbaus des Bundeswehrdepots konnten diese Funde allerdings nicht näher untersucht werden.
Aufgrund der Verteilung all dieser Fundstellen ist mit großer Wahrscheinlichkeit der gesamte Südhang des Bramstedter Berges (einer ausgedehnten Altmoränenkuppe) über mehrere Epochen der Vorzeit hinweg besiedelt gewesen.
Bei den in den beiden Untersuchungsflächen gefundenen 9 Hausplätzen handelte es sich teils um größere Ständerbauten, teils sehr kleine grubenhausähnliche eingetiefte Hütten. Im Bereich der meisten Häuser fanden sich Tongefäßscherben, die auf die ältereisenzeitliche „Jastorf“–Stufe hinweisen [17]. Bei zwei weiteren Häusern aber fanden sich Scherben aus anderer Zeit: Einmal waren es Scherben von anscheinend Bronzezeitlichem Charakter, und einmal handelte es sich um Keramik aus der Zeit der Völkerwanderung.
Das weist auf eine Besiedlung schon von der Bronzezeit [18] bis zur Völkerwanderungszeit hin, wenngleich die Hauptsiedlungszeit die Eisenzeit der „Jastorf“-Stufe ist. Die Besiedlung war aber nicht kurzfristiger Art. Die Mächtigkeit der Kulturschicht von 35 bis 50 cm deutet dieses an, wie auch die begründete Vermutung über die weitere Ausdehnung der Siedlung.
Das korrespondiert gut mit der allgemeinen Beobachtung, dass während der jüngsten Bronzezeit Siedlungen vornehmlich auf leichterem lehmigem Boden angelegt wurden. Das waren vor allem die Altmoränen der Moräneninseln westlich der Wasserscheide, wenn auch die Geest ansonsten gemieden wurde.
Da in der Nähe Verhüttungsplätze gefunden wurden (HINZ 1954, DAVIDSEN 1987), hängt die Siedlung möglicherweise mit der ersten Herstellung von Eisen in der jüngsten Bronzezeit zusammen. Ähnliche Zusammenhänge sieht man mit der Besiedlung der Holsteinischen Geest in der Römischen Eisenzeit (RIIS 2009).
Es wurden auch einige Gruben gefunden. Interessanterweise fanden sich in den kleinen, länglichen und wannenförmigen Gruben keine Artefakte, so dass es sich bei diesen Gruben auch um Erdgräber einer anderen Zeitstufe als die Siedlungsfunde handeln könnte.
Damit ergibt sich folgendes Bild:
Der Südhang des Bramstedter Berges ist wohl schon in der jüngsten Bronzezeit besiedelt worden (etwa 650/600 v. Chr.). Die Besiedlung könnte dann mit dem Beginn der Eisenverhüttung zusammenfallen. Auch eine frühere Besiedlung (um 800 v. Chr.) kommt in Frage, im Zusammenhang mit der Nutzung der leichteren lehmigen Böden der Altmoränen westlich der Wasserscheide (RIIS 2009). Die Kernzeit der Besiedlung lag offensichtlich aber ca 500-200 v. Chr..
Nach 200 ist eine dauerhafte Besiedlung nicht mehr festzustellen. Es gibt aus dieser Zeit kaum Funde von der Geest. Ob hier die Bevölkerung mit Cimbern und Teutonen gen Süden zog (Cimbrische Kriege mit Rom) kann man vermuten. In jedem Fall ist um 200 festzustellen, dass überall in Jütland, wo leichtere Böden besiedelt waren, diese gegen Ende der Römischen Eisenzeit oder um 200 v. Chr. wieder verlassen wurden (RIIS 2009).
In der Zeit der Völkerwanderung um 500 n. Chr. hat es wohl noch einmal den Abzug eines Teiles der Bevölkerung gegeben. Das hat dann offensichtlich vorübergehend auch wieder zur Siedlung auf den Altmoränen westlich der Wasserscheide geführt, wovon einzelne Funde auf dem Bramstedter Berg zeugen.
Die Gegend war in dieser Zeit offensichtlich weitgehend menschenleer. Auch konnte sich der Wald wieder ausbreiten, nachdem durch die Beweidung seit der jüngeren Bronzezeit eine Regeneratíon des Waldes verhindert wurde und so erste Heideflächen in der Mitte Jütlands entstanden.
Zuwanderung von Norden konnten diese Verluste an Bevölkerung nicht ausgleichen. Allerdings gab es schon in der Römischen Eisenzeit (oder Kaiserzeit, 0-400 n. Chr.) im nördlichen Nordschleswig eine vergleichsweise dichte Besiedlung, einschließlich der Geest. Teile der Jüten sind um 500 mit den Angeln und Sachsen fortgezogen (Völkerwanderungszeit). Die Dänen eroberten um 500 n. Chr. das Siedlungsgebiet der Jüten, deren Reste im dänischen Volk aufgingen.
Von nun an drangen die Dänen südwärts vor und erreichten um 800 die Schlei (Haithabu). Danach besiedelten Jüten und Dänen auch die Geest wieder.
Wenn im 11.und 12. Jahrhundert die Schleswigsche Geest fast vollständig bewaldet war (RIIS 2009), so begannen im 13. Jahrhundert die Rodungen. Diese Zeit war es auch, in der die Dörfer auf immer schwieriger nutzbare Böden verschoben wurden, was möglicherweise die Lage Bramstedts an der Nordseite des Bramstedter Berges erklären kann. Dieses wäre auch ein Indiz (wenn auch ein sehr schwaches) für die ungefähre Gründungszeit des Dorfes Bramstedt im 12. Jahrhundert.
Wann genau Bramstedt begründet wurde, bleibt aber unklar. Denn historisch gesichert ist die Existenz Bramstedts erst mit dem Hinweis, dass 1352 die Bramstedter zur Ladelunder Kapelle in die Kirche gingen.
Es gilt jedoch als sicher, dass es die von Norden eingewanderten Jüten/Dänen waren, die Bramstedt als sogenanntes Platzdorf neu begründeten. Um einen fast quadratischen Platz von 200 x 200 Metern legen sie einige Höfe an. Dieser Platz, die Forta [22], ist noch heute gut erkennbar.
DAS GESCHICHTLICHE BRAMSTEDT
Die älteste urkundliche Erwähnung des Ortes stammt erst aus dem Jahre 1492. Sie ist enthalten in einer vom Hardesvogt der Karrharde besiegelten Einigung der Eigner der Besitzungen von Pepersmark und aller „de dor hebben egendom to Bramstede belegen in Ladelundt kerspel“ über den Verlauf der Feldmarkgrenze zu dieser nördlichen Nachbarsiedlung.
Der Name »Bramstedtlund« taucht erstmalig in den Amtstonderaner Hofabgabelisten von 1533-1537 auf. Bramstedtlund bestand zu dieser Zeit aus einem landesherrlichen Einzelhof. Eben diese Hofabgabelisten weisen erst 8 Höfe in Bramstedt für diese Zeit auf.
Durch Erbteilung entstanden weitere Höfe. Seit etwa 1625 bestand Bramstedt aus 12 Höfen. Vier dieser Höfe existieren nicht mehr. Die weiteren 8 aber sind zumindest baulich noch vorhanden. Auch während des ersten Versuchs der Landaufteilung 1774/1776 wurde die Größe des Dorfes mit 12 Hufen angegeben. Diese Landaufteilung, auch Verkoppelung genannt, sollte die bislang gemeinsam bewirtschafteten Flächen aufteilen und den einzelnen Höfen zuordnen. Bei der tatsächlichen Landaufteilung1806/07 wird die Größe des Dorfes zu 12 Staven [24] (DÖRFER 1816, LESSER 1853) angegeben.
Ähnlich erging es der kleinen Nachbarortschaft Bramstedtlund. Hier gab es bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts nur einen landesherrlichen Hof, auf dem ein Pächter saß. Um 1565 entstanden dann mit landesherrlicher Genehmigung durch Erbteilung weitere zwei Höfe.
Diese Struktur hielt sich über lange Zeit. Wohl kamen einige Häuser hinzu, für den Schmied und den Feldhüter, auch ein Schulgebäude wurde in Bramstedt schon 1737 errichtet. Wesentliche Änderungen brachte aber erst die Zeit der Kolonisation der Heide 1760 bis 1765
. Auf Bramstedter Gemeindegebiet wurden zwei solcher Kolonistenhöfe gegründet, die allerdings schon bald in die Hände Einheimischer fielen. < link KOLONISTEN>.
So lebten in der Gemeinde Bramstedt fast ausschließlich Hofbesitzerfamilien mit Knechten und Mägden sowie einem Schmied, einem Hirten und einem Schuster (ARWEILER 2005).
Die Schule in Bramstedt existierte über 250 Jahre. Begonnen wurde mit der Einrichtung einer Nebenschule um 1700. Zunächst fand der Unterricht wechselnd auf den Höfen statt. Ein erstes, noch bescheidenes Schulgebäude wurde dann 1737 in Bramstedt gebaut. Diesem folgte 1861 ein Neubau, der zwischen Bramstedt und den Nachbarhöfen Bramstedtlund errichtet wurde. Im Jahre 1928 schließlich, konnte ein weiterer Neubau an fast gleicher Stelle, ein reetgedeckter Ziegelbau, bezogen werden. Dieses war das damals wohl prächtigste Gebäude der Gemeinde. 1964 wurde hier der letzte Jahrgang unterrichtet. Danach wurden die Schulen nach Ladelund zusammengelegt, der Schulverband umfasste Bramstedtlund, Boverstedt und Ladelund. Damit verlor Bramstedt seine eigene Schule. Das Gebäude diente danach gewerblichen Zwecken, bis es 1981 vollständig abbrannte.
Der erste Aussiedlerhof (nach den Kolonistenhöfen) entstand 1864. Es war der ehemalige Dorfschmied, der sich auf der nördlichen Heide ansiedelte, in der Nähe des einen Kolonistenhofes [26]. Weitere Höfe folgten später (Details bei DAVIDSEN 1987). Es entwickelte sich ein über die Fläche verteiltes Siedlungsbild.
Um die Jahrhundertwende entstanden Gebäude für besondere Zwecke, 1895 für die Genossenschaftsmeierei Bramstedt, nach 1919 für ein eigenes Elektrizitätswerk. In beiden Gebäuden befand sich auch jeweils eine Kornmühle.
Nach der Volksabstimmung 1920 lag die Gemeine unmittelbar an der Grenze zu Dänemark. Es entstanden in Bramstedt einige Häuser, die erstmals reinen Wohnzwecken dienten, die sogenannten Zollhäuser für das an der Grenze benötigte Personal.
Der Höhepunkt von Neusiedlungen war unmittelbar nach den ersten größeren Aktionen im »Programm Nord« [27], wodurch dann die Höchstzahl an landwirtschaftlichen Vollerwerbsbetrieben erreicht wurde (33 Höfe). Immerhin gab es 1981 noch 26 dieser Betriebe. Zu diesen wurden auch zahlreiche Häuser für Altenteiler errichtet, was die Gebäudezahl weiter vermehrte.
Einige Neubauten, u.a. auf dem ehemaligen Schulgelände, kamen noch hinzu. Aus 22 bestehenden Gebäuden 1900 wurden 1980 schon 75.
Ein weiteres Neubaugebiet wurde westlich des Dorfes recht zügig bebaut. So wuchs der Bestand an Gebäuden in der Gemeinde, allerdings nur leicht, denn andere Gebäude wurden abgerissen (z.B. das alte Feuerwehrhaus oder die Hof- und Wohngebäude an der Westerstraße, die einer Bundeswehreinrichtung weichen mussten) oder gingen durch Brand verloren (z. B. das ehemalige Schulgebäude). So hat die Gemeinde gegenwärtig (2011) [28] 80 Gebäude mit 95 Wohnungen.
Anders erging es der Landwirtschaft. Denn von dem genannten Höhepunkt mit 33 Höfen 1958, nahm die Umstrukturierung in der Landwirtschaft unaufhaltsam ihren Verlauf. Heute befinden sich in der Gemeinde nur noch 2 landwirtschaftliche Vollerwerbsbetriebe. Auf Gemeindegebiet befinden sich – dem Trend der Zeit nachgebend – 3 Biogasanlagen.
Anmerkungen
[1] Auch im Folgenden folgt diese Darstellung im wesentlichen RIIS 2009.
[2] Aus dem hier genannten Grunde wird die Saale-Kaltzeit oder das Saale-Glazial heute besser Saale-Komplex genannt.
[3] Auch andere archäologische Befunde zeigen, dass die Wahl des Siedlungsplatzes ökonomisch bestimmt war. Am Wasser bot sich dem Steinzeitmenschen als Jäger und Fänger ein breites Nahrungsspektrum an. Die agrarisch orientierten Menschen der Bronze- und Eisenzeit richteten sich bei der Wahl des Siedlungsplatzes vorwiegend nach bestimmten Bodenarten mit spezifischer Vegetation und spezifischen Anbaumöglichkeiten (WILLROTH 1986). Erst die fortschrittlicheren Werkzeuge ließen später auch die Bearbeitung schwererer Böden (Marsch) zu.
[4] Der älteste menschliche Knochen Schleswig-Holsteins stammt aus dieser Zeit. Er wurde bei Ausgrabungen einer ertebøllezeitlichen Küstensiedlung am Ostseegrund vor der Küste bei Stohl im Herbst 2011 entdeckt
http://www.uni-kiel.de/aktuell/pm/2012/2012-205-ausgrabung-sh.shtml
[5] Abbildungen mit freundlicher Genehmigung durch Archäologisches Landesamt Schleswig-Holstein
Einzelfund bei Ladelund, Federmesser (Tafel 5 Nr. 28 in HINZ 1954), ein Steinbeil aus Boverstedt (Tafel 34 Nr. 13) und eine Streitaxt aus Westre (Tafel 38 Nr. 11)
[6] Nordöstlich von Ringkøping. C. J. Becker: Früheisenzeitliche Siedlungen bei Grøntoft, Westjütland. Acta Archaeologica 42, 1971, S. 79 - 110
[7] Südwest-Fünen, Haarby-Sogn
[8] Die »Völkerwanderung« war kein plötzlicher Aufbruch, sondern zog sich über eine Zeitskala von 100 Jahren hin. In dieser Zeit kam es wieder zu einer vorübergehenden Besiedlung in der Geest
[9] Hier werden von IBS (2004) nur die Jüten genannt. RIIS (2009) erwähnt hier nur die Dänen. Dazu: Die Jüten verließen teilweise mit den Angeln und Sachsen das Land. Andere Teile der Jüten gingen im dänischen Volk auf.
[10] HINZ (1954) berichtet von Funden der Mittleren und Jüngeren Steinzeit. Nach RIIS (2009) wird die Zeit 7.500-4.000 als Mesolithikum oder Mittlere Steinzeit, 4.000-1.700 als Neolithikum oder jüngere Steinzeit, die Zeit 2.400-1.700 als Spätneolithikum bezeichnet.
Dagegen gibt SCHÄFER (1968) für die Datierung der Grabungen am Bramstedter Berg die Zeitstufen: Jungsteinzeit (Neolithikum) ca 2500-1600 v. Chr. und Spätneolithikum ca. 1800-1.600 v. Chr an.
[11] ältere Eisenzeit ca 500 v. Chr. bis Chr. Geb. im allgemeinen heute „Vorrömische Eisenzeit“ genannt, in Dänemark noch vielfach „Keltische Eisenzeit“. –– Die „Jastorf“-Stufe bezeichnet nach RIIS 2009 eigentlich nur die Kultur, der der Bereich von Holstein, Westmecklenburg und Nordhannover angehörte, benannt nach einem Urnenfriedhof bei Uelzen und ist zeitlich der ältesten (Vorrömischen) Eisenzeit zuzuordnen (500-0). SCHÄFER (1968) setzt die Zeit nach seinen Grabungsfunden um 300 v. Chr. an.
[12] nach SCHÄFER (1968) - Bei HINZ (1954) Fundstelle Ladelund/Bramstedt »Urnenfriedhof. 11«
[13] In der Bramstedtlunder Chronik von DAVIDSEN und ARWEILER der Hof Nr. 28. Der Fund wurde auf der Flur „Östehej“ (Osterheide) gemacht. Auch eine eiserne Nadel mit einem Bronzekopf wurde hier gefunden.
[14] © Kirchspielarchiv Ladelund
[15] Abbildungen mit freundlicher Genehmigung durch Archäologisches Landesamt Schleswig-Holstein
Tafel 61, Nr. 6 und 7 bei HINZ (1954)
[16]Abb. mit freundlicher Genehmigung durch Heimatverein Schleswigsche Geest e.V.
[17] SCHÄFER (1968) definiert diese Stufe um 300 v. Chr. Nach RIIS (2009) ist die Jastorf-Stufe eine Kultur, zu der Holstein, Westmecklenburg und Nordhannover während der Vorrömischen Eisenzeit angehörte. Darum ist der Zeitraum 500-200 v. Chr. für die Grabungsfunde (der Hauptsiedlungszeit) wohl treffender.
[18] Ältere Bronzezeit ca 1600-1100 v. Chr., Jüngere Bronzezeit ca 1100-500 v. Chr. (in Schleswig-Holstein) (SCHÄFER 1968)
[19] Abb. mit freundlicher Genehmigung durch Heimatverein Schleswigsche Geest e.V.
[20] Abb. mit freundlicher Genehmigung durch Heimatverein Schleswigsche Geest e.V.
[21] Zeichnung von Carl Carstensen aus DAVIDSEN 1987
[22] Forta oder forte ist ein Rechtsbegriff aus dem alten Jütischen Recht (Jyske Lov 1241). Im Prinzip ist damit der zentrale Dorfplatz gemeint, der nicht bebaut werden durfte. Diese forte-Regelung ist schon relativ alt und in eisenzeitlichen Siedlungen Dänemarks öfter nachgewiesen. HOFF(2006)
[23] © Kirchspielarchiv Ladelund, Foto 1980
[24] Staven kommt aus dem Dänischen (Boden, Grundlage, auf der etwas steht) und bezeichnet ein bäuerliches Grundstück mit Haus, Nebengebäuden und unmittelbar dazu gehörigem Land (wie Gartenland), ursprünglich unteilbar und unveräußerlicher Stammsitz wie Gehöft oder Hofstelle.
[25] © Kirchspielarchiv Ladelund, Foto 1980
[26] DAVIDSEN (1969): Hans Chr. Davidsen, sen., Ladelund: Die Entwicklung eines Bauernhauses. Jahrbuch Schleswigsche Geest 1969. S. 111-123.
[27] weitere Informationen zum PROGRAMM NORD: Dr. August Fröbe: Das Programm Nord. Bilanz 1953/1967. Über den Stand der Landentwicklung und über ihre Wirkung der bisherigen Investitionen.
Arndt von Reinersdorff (Red.), 25 Jahre Programm Nord, Rendsburg, Programm Nord GmbH, 1979;
Claus Bielfeldt, Ferdinand Hansen, Mittel und Wege universeller Landentwicklung im Programm Nord, Sonderdruck aus Berichte über die Landwirtschaft, Band 44, S. 201 ff, 1966, Verlag Paul Parey, Hamburg;
Hermann Fölster, Schobüll: Unterbodenmelioration auf der Schleswigschen Geest. Jahrbuch Schleswigsche Geest 1980, S 212-216
[28] Zensus 2011. Gebäude und Wohnungen. Gemeinde Bramstedtlund am 9. Mai 2011. Statistisches Landesamt für Hamburg und Schleswig-Holstein. Hamburg 2013.
Literatur
ARWEILER (2005) Die Bramstedter Bauernfamilie Hansen. Versuch einer Chronik. unveröffentlicht
DAVIDSEN (1987) Hans Chr. Davidsen und Klaus Arweiler: Bramstedtlund. Geschichte und Geschichten aus einer Schleswigschen Geestgemeinde. (Chronik der Gemeinde Bramstedtlund)
1. Teil 1981, 2. Teil 1987 3. Teil 1988. Im Selbstverlag.
4. leicht veränderte Auflage 2013
DÖRFER (1816) Joh. Friedr. Aug. DÖRFER: Topographie des Herzogthums Schleswig in alphabethischer Ordnung.
Zweite vermehrte Auflage, Schleswig 1816
GEBÜHR (2002) Michael Gebühr in Jann Markus Witt und Heiko Vosgerau (Hrsg.), Schleswig-Holstein von den Ursprüngen bis zur Gegenwart - Eine Landesgeschichte, Hamburg, 2002, Convent-Verlag
HARTZ (1986) Sönke Hartz, Paläolithische Funde aus dem Altmoränengebiet Nordfrieslands. Offa XLIII, 1986, S. 104-148
HINZ (1954) Hermann Hinz: Vorgeschichte des nordfriesischen Festlandes.
Veröffentlichungen des Landesamtes für Vor- und Frühgeschichte in Schleswig. Herausgegeben von Gustav Schwantes und Karl Kersten.
Die vor- und frühgeschichtlichen Denkmäler und Funde in Schleswig-Holstein, Band III: Nordfriesisches Festland (Kreis Husum und Südtondern-Festland). Karl Wachholtz-Verlag Neumünster 1954
HOFF (2006) Annette Hoff: Recht und Landschaft. Ergänzungsbände zum Reallexikon der germanischen Altertumskunde. Herausgegeben von Heinrich Beck, Dieter Geuenich, Heiko Steuer. Band 54. Walter de Gruyter, Berlin 2006
IBS (2004) Jürgen IBS, Eckart DEGE, Henning UNVERHAU. Historischer Atlas Schleswig-Holstein. Vom Mittelalter bis 1867. Wachholtz, Neumünster 2004
LESSER (1853) Wilhelm Lesser: Topographie des Herzogtums Schleswig, Kiel 1853. Verlag Carl Schröder.
MÖLLER (1974) Claus Möller: Funde von Werkzeugen der Heidelberger Kultur auf der Insel Föhr. Die Heimat, Nr. 3, 81. Jahrg., Neumünster März 1974. S. 59-63.
RIIS (2009) Thomas Riis: Wirtschafts- und Sozialgeschichte Schleswig-Holsteins. Leben und Arbeiten in Schleswig-Holstein vor 1800. Verlag Ludwig, Kiel 2009.
RUST( 1956) A. Rust: Artefakte aus der Zeit des Homo Heidelbergensis in Süd- und Norddeutschland. Bonn 1956
SCHÄFER (1968) Gottfried Schäfer: Eisenzeitliche Siedlungsspuren bei Bramstedt Kreis Südtondern (Grabung 1966). Jahrbuch für die Schleswigsche Geest, 16. Jahrgang. 1968, S. 46 ff
WILLROTH (1986) Karl-Heinz Willroth: Landwege auf der cimbrischen Halbinsel aus der Sicht der Archäologie. IN: Siedlungsforschung. Archäologie-Geschichte-Geographie. Band 4. Herausgegeben von Klaus Fehn et.al.. Verlag Siedlungsforschung Bonn 1986
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Kolonisten
Die Bevölkerung speziell Badens war von Kriegen, Plünderungen und Seuchen schwer bedrängt.
Das begann schon in der zweiten Hälfe des 17. Jahrhunderts. So litt Baden besonders unter den Hegemoniebestrebungen und den expansiven Eroberungs-kriegen Ludwig XIV. von Frankreich.
Während Kaiser und Reich in den Türkenkriegen (zweiter Türkenvorstoß auf Mitteleuropa 1663 – 1699) gebunden waren, versuchte Ludwig XIV. von Frankreich, seine starken Hegemoniebestrebungen gegen deutsche Länder umzusetzen. Dazu gehört vor allem der Pfälzische Erbfolgekrieg (1688 – 1697), auch Orleanscher Krieg genannt, der fast zur völligen Zerstörung Badens führte (das Land war im wahrsten Sinne des Wortes verbrannt).
Schon der Holländische Krieg (1672 – 79) war ein expansiver Eroberungskrieg Frankreichs. Er wurde ausgelöst durch den französischen Überfall auf Holland und wurde zu einem gesamteuropäischen Konflikt. Dazu gehört auch der Schwedisch-Brandenburgische Krieg (1675 – 79).
Die französischen Bestrebungen wurden durch Phillip V. fortgeführt. Während des Spanischen Erbfolgekrieges (1701 – 1714) wurde Nord-Baden Aufmarschgebiet der kaiserlichen Truppen gegen die Franzosen. Wie auch im Holländischen Krieg kam es immer wieder zu Einfällen der Franzosen in Süddeutschland.
In der Folge dieser französischen Einfälle bedrängten herumziehende marodierende Söldnerheere die Bevölkerung, denen wiederum plünderndes und raubendes Gesindel nachfolgte. Seuchen taten ein Übriges.
Dann war es der Große Nordische Krieg (1700 – 1721), und letztlich auch der Siebenjährige Krieg, der auch die Bevölkerung außerhalb der eigentlichen Kriegsgebiete in Mitleidenschaft zog.
Da erschien es vielen eine große Chance, was der dänische König plante. Der dänische König Friedrich V. (*1723/ 1746-1766) wollte zur Kultivierung des reichlich vorhandenen Ödlands (die Heide – Alhede) Kolonisten anwerben, die sich in dieser Region ansiedeln sollten. Diese Absicht war ausschließlich merkantil motiviert, nach dem Moto: Mehr Untertanen = mehr Steuereinnahmen. Denn auch Dänemark und die Herzogtümer hatten unter diesen Kriegen gelitten (Polackenkriege 1658/59 als Teil des Dänisch-Schwedischen Krieges, der Große Nordische Krieg (1700-1721) und letztlich auch der Siebenjährige Krieg (1756-1763). Und die gegenwärtige Rüstung Dänemarks gegen Bedrohungen von außen verschlangen viel Geld.
In den gegenwärtigen Konflikten wollte der dänische König neutral bleiben, sah sich aber dennoch genötigt, stark aufzurüsten (bewaffnete Neutralität).
Da war der Konflikt Dänemark-Gottorf (Gottorf war schwedischer Verbündeter im Nordischen Krieg), der wieder zu Spannungen führte, als der Großfürst aus dem Hause Gottorf als Zar Peter III. den russischen Thron bestieg, und der die vorher an Dänemark verlorenen Gebiete zurückforderte.
Da war der Konflikt England-Frankreich, in dem die französischen Truppen weit nach Norden durch die zu England gehörenden deutschen Provinzen zogen und sogar Harburg belagerten.
Die dänischen Truppen von nur 6500 Mann wurden aufgestockt auf 36.000, ebenso wurde die Flotte verstärkt.
All das kostete Geld. Die großen Aufrüstungen seit 1756 führten zu Schulden, die bald 19,5 Millionen Taler betrugen.
Er fand diese leicht in Süddeutschland, wo viele Menschen an den Folgen des Siebenjährigen Krieges litten.
Johann Friedrich Moritz (Legationsrat) war mit der Werbung beauftragt. In der Frankfurter Reichspost vom 28.4.1759 sprach er vom „nordischen Paradies“. Und es wurden allerlei Versprechungen gemacht für Vieh, Werkzeuge, Tagegelder und Reisekosten.
1759 kamen die ersten Kolonisten. Bis 1762 zogen etwa 4000 Menschen nach Norden. Aber letztlich blieben von den geplanten 4000 Siedlerstellen nur 600.
Vom Chronisten (DAVIDSEN 1987) wird berichtet, die Kolonisten seien mit den schwierigen Verhältnissen in der Heide nicht zurecht gekommen. Das ist in manchen Fällen sicherlich richtig, denn wie sollte man auch von einem gelernten Schneider erwarten, diese schwere und harte Kultivierungsarbeit zu leisten. Und Faule gab es natürlich auch. Aber das war nicht die Regel.
Schließlich gab es schon vorher gleich drei Versuche zur Heide- und Moorkolonisation: 1723, 1751 und 1753. Diese Versuche mit überwiegend einheimischen Bauern sind allesamt kläglich gescheitert. Das erst führte zu der Idee in anderen Regionen um Kolonisten zu werben.
Die Behauptung, die Kolonisten seien nur faul und träge, wurde von den Einheimischen schnell erhoben. So wollten die Kolonisten auf Wilhelminenfeld, und zwar diejenigen, die südlich von Ladelund siedelten, mehr Land zugelegt bekommen. Den Einheimischen war das nicht recht und so schrieben sie entsprechende Behauptungen nach Tondern. Der Inspektor dagegen lobte gerade diese Kolonisten als fleißig und gut aufgestellt (Näheres bei VOLLERTSEN unveröff). Es ging also hier lediglich darum, zu diffamieren, um weitere Landzuteilungen an die Kolonisten zu hintertreiben.
Andere Gründe sind weitaus gewichtiger: Zunächst einmal war den Kolonisten versprochen worden, dass sie Vieh und Ausrüstung erhalten sollten. Der dänische König hielt jedoch diese Zusage nicht. Die Kolonisten fühlen sich getäuscht und waren aufgebracht.
Den Kolonisten wurden kaum oder gar keine Wiesenstücke zugeteilt, die mit Abstand die wichtigste Wirtschaftsquelle der Bauern in dieser Zeit waren.
In der Tat: Gegenüber den vollmundigen Versprechungen des dänischen Königs Friedrich V. , erwartete die Kolonisten eine elende Plackerei. Und sie mussten sich gefallen lassen, von den Einheimischen und der Obrigkeit als „faul“ bezeichnet zu werden (eine beliebte Methode, von den eigenen Fehlern und Unzulänglichkeiten und auch Unwillen abzulenken).
Die Kolonisten beschwerten sich massiv über die Zustände, die sie hier vorfanden, denn Siedlerstellen waren noch gar keine vorhanden, die Neuankömmlinge mussten provisorisch in den umliegenden Orten untergebracht werden, nichts war von der Obrigkeit wirklich vorbereitet worden. Die Obrigkeit begegnete diesen Beschwerden, indem sie Gefängnisstrafen gegen die Beschwerdeführer verhängte
Zum weiteren taten sich die Einheimischen schwer mit den neuen Nachbarn. Die Einheimischen mussten mühsam davon überzeugt werden, sich für die Kolonisten von etwas Ödland zu trennen. Ständige Reibereien waren an der Tagesordnung, Torfstiche der Kolonisten wurden zerstört, frisch angelegte Gärten verwüstet, von Schlägereien einmal ganz abgesehen. Zwischen Kolonisten und Einheimischen bestand eine direkte Feindschaft.
Obwohl der dänische König alle rechtlichen Register zog, die Kolonisten hier „einzusperren“, sind die meisten – aus Not und weil sie ihre Familien so nicht ernähren konnten - wieder abgezogen, oder wie die Obrigkeit es formulierte: desertiert.
Die abziehwilligen Kolonisten mussten auch noch für jede „nachbarliche“ Hilfestellung bezahlen, ein unter den Einheimischen völlig unmögliches Verhalten.
Die Kolonisten scheiterten also weniger an dem harten Leben in der Heide, als am Betrug des dänischen Königs und an der Drangsalierung durch die Einheimischen.
Dennoch hinterließen die Kolonisten eine wertvolle Neuerung: Sie brachten die Kartoffel nach Norden. Daher die Bezeichnung „Kartoffeldeutsche“.
Als Beispiel, wie so eine Stelle dann ausgesehen hat, kann die Kolonistenstelle Bögelhuusfeld gelten , von der es ein Bild im ursprünglichen Zustand gibt . Sie liegt unmittelbar neben der Kolonistenstelle auf Bramstedt Norderfeld.
Lage der beiden erwähnten Kolonistenstellen (roter Kreis) und des ersten Aussiedlerhofes von 1864 (blauer Kreis). Die Landesstraße L 192 (sogenannte Grenzstraße oder Betonstraße) existierte noch nicht. Ihr ungefährer Verlauf ist Hellblau markiert [1]
Diese Kolonistenstelle ist auch Beispiel dafür, was den Kolonisten zugemutet wurde. 1764 heißt es „Der Platz ist im Winter wegen Hochwassers nicht zu erreichen“ (HANSEN 2011)
Anmerkung
[1] Ausschnitt aus dem Messtischblatt 1120 der Königl. Preuss. Landesaufnahme 1878 (herausgegeben 1880). Nachdruck Landesamt für Vermessung und Geoinformation, Kiel.
Literatur
HANSEN (2011) Johannes und Ilona Hansen: Kolonisten-Atlas. Erstellt in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Plaggenkacke. CD.
VOLLERTSEN (unveröff.) Anita Vollertsen: Die Kolonisten im Kirchspiel Ladelund. Forschungsergebnisse von Frau Anita Vollertsen, Ladelund. Herausgegeben vom Arbeitskreis PLAGGENHACKE, Kolonisten und Familienforschung.
verwendete, nicht direkt zitierte Literatur:
CLAUSEN (1988) Otto Clausen: Flurnamen Schleswig-Holsteins. 2. erw. Aufl. 1988, Verlag Heinrich Möller Söhne, Rendsburg.
EVERS (2010) Günter Evers: Weg der Verzweifelten. Das elende Schicksal der Heide- und Moorkolonisten. Arbeitskreis Plaggenhacke 2010.
Flensburger Tageblatt 6. Oktober 2012: „Erinnerung an die Kartoffeldeutschen“, nach einem Aufsatz von Kjeld Thomsen („Der Nordschleswiger“).


